Band 2: frauenKörper


 

   




 

 

 

 

 

 

frauenKörper über Medizin, Bilder und Beziehungen
 

Band 2 der historischen Forschungsreihe "Fraubünden" heisst "frauenKörper". Er wird im November 2004 erscheinen. 


Hier finden Sie Kurztexte zu den wissenschaftlichen Beiträgen in Band 2: "FrauenKörper)

Die Beiträge im Überblick:

Ivo Berther: Die "schwarze Lawine" und der Bauch der Frau – Frauenleben in der Surselva 1870-1965

Dr. Barbara Frei Haller: Hebammen, Kräuter und Medizin im Engadin und Münstertal

Silvia Hofmann: Heilbäder, kranke Frauen und ihre Krankheiten

Dr. phil. Gerda Leipold: Die inszenierte Frau in den Bergen - zwischen Familienbild und Tourismusplakat von 1850 bis 2000

Dr. phil. Marietta Meier: Eingriffe ins Gehirn "schwieriger" Patientinnen: Psychochirurgie im Kanton Graubünden (Arbeitstitel)

Silke Redolfi: (Text in Bearbeitung)


Die Kurztexte zu den einzelnen Artikeln:

Ivo Berther: Die "schwarze Lawine" und der Bauch der Frau – Frauenleben in der Surselva 1870-1965

"Viele Kinder, wenig Geld" – auf diesen kurzen Nenner bringen Zeitgenossen die Lebensverhältnisse in der Surselva vor 50 bis 60 Jahren. Was hat es damit auf sich? Stimmt das Klischee der "Region der Grossfamilien"? Das erste Kapitel ist dieser Fragestellung auf der Spur und zeigt anhand von Fotos, statistischem Material und Textquellen, dass die Grossfamilien nicht nur eine Realität, sondern darüber hinaus ein Programm war. Das zweite Kapitel geht der Mentalität nach, die dieser Idealisierung des Kinderreichtums zugrunde lag. Dabei wird ein Weltbild und regionales Selbstverständnis nachgezeichnet, das über die Surselva hinaus unter dem Begriff "schwarze Lawine" berühmt und berüchtigt wurde. Bis in die 1960er Jahre hinein war es weitgehend traditionell geprägt und suchte Modernisierungstendenzen politischer, wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Art abzuwehren.

Das zweite Augenmerk gilt ganz allgemein dem Platz, der "der Frau" in diesem katholisch-konservativ geprägten Milieu zukam. Die Frau steht dabei in einem doppelten Sinn im Zentrum: Einerseits werden Denkbilder, Traditionen, Rollenverteilungen nachgezeichnet, wie sie vor allem von der männlichen geistigen Elite konstruiert wurden. Andererseits werden diese gesellschaftlichen Vorgaben der Zeit durch Stimmen, Stellungnahmen, Berichte von "betroffenen" Frauen ergänzt und vertieft. Der Aufbau dieses Teils richtet sich nach thematischen Gesichtspunkten und gliedert sich (provisorisch) in drei Teile: Gesellschaftliche Rollen, Arbeitswelt, materielle und immaterielle Kultur.

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Barbara Frei Haller: Hebammen, Kräuter und Medizin im Engadin und Münstertal im 19. und 20. Jahrhundert

Ausgehend von Portraits (Erfahrungen, Wahrnehmungen, Einschätzungen, Meinungen) von Hebammen im Engadin und Münstertal wird die Geschichte der Hebammen und der Geburtshilfe im Engadin aufgearbeitet. Veränderungen von Tabus, Normen, Verhaltensregeln rund um den Frauenkörper im 19. und 20. Jahrhundert sollen eruiert werden. Damit kann die Situation der Frauengesundheit aus der Sicht der Hebamme im Verlauf der Forschungsperiode aufgezeigt werden. Besonders interessieren die negativen und positiven Entwicklungen im Berufsfeld der Hebamme, aus der Sicht der Hebammen. Ein Überblick über die Entwicklung der Hebammenausbildung und der Geburtsmedizin in Graubünden wird aus Quellenmaterial zusammengestellt. Auch die Geschichte der Spitäler im Engadin und Münstertal soll aus der Perspektive der Hebammen beschrieben werden. Ein Pflanzen-Herbar sowie Photographien vom Standort, zur Dokumentation und im Hinblick auf eine mögliche Ausstellung, von medizinisch verwendeten Pflanzen in der Geburtshilfe im Engadin und Münstertal werden angelegt.

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Silvia Hofmann: Heilbäder, kranke Frauen und ihre Krankheiten

Im 19. Jahrhundert wurde mit der Medikalisierung des Frauenkörpers die Frau zum "kranken Geschlecht" und damit zum therapiebedürftigen Wesen. Gleichzeitig erfuhr die Balneologie

eine Verwissenschaftlichung. Die Kur, insbesondere die Bade- und Höhenkur, geriet ins Zentrum des medizinischen Angebots für Frauen und vor allem für Frauen mit typischen Frauenkrankheiten wie Hysterie, Unfruchtbarkeit und anderen Unterleibserkrankungen.

In Graubünden, das bereits eine alte Bädertradition besass, gaben z.T. die alten, vor allem aber neue Badekurorte entscheidende Impulse für den sich entwickelnden Tourismus.

Kurhäuser und Bäder boten Arbeitsplätze für einheimische Frauen. Untersucht werden die Zusammenhänge zwischen weiblichen Körperkonzepten und Indikationen für Badekuren, zwischen den Angeboten und Möglichkeiten der Heilbäder in Graubünden (insbesondere in Mittelbünden) für Frauen als Gäste und als Arbeitskräfte Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Zweiten Weltkrieg.

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Dr. Gerda Leipold: Die inszenierte Frau in den Bergen - Zwischen Familienbild und Tourismusplakat von 1850 bis 2000

Eine Analyse der Darstellung von Frauen in Graubünden - zumeist inszeniert – auf Fotografien und in der Werbung spürt den Entwicklungstendenzen des Frauenbildes nach. Die Forschung basiert auf Recherchen in der Kantonsbibliothek (umfangreiche Plakatsammlung: 4.300, davon 400 vor 1986), im Staatsarchiv Chur (20.000 Fotografien aufbewahrt, die teilweise inventarisiert und nach verschiedenen Suchbegriffen wie "Frau", "Sport", "Familie", "Arbeit" mittels Volltextsuche erschlossen sind), im Stadtarchiv Chur (Fotosammlung aus verschiedenen Provenienzen u.a. aus Nachlässen) und anderen Quellensammlungen. Die zu beantwortenden Fragestellungen lauten: Wie werden traditionelle Frauenrollen (Passivität, Emotionalität, Mütterlichkeit, Hausfraulichkeit etc.) ins Bild gesetzt? Inwieweit spielen Schönheit und Sexualität (als Lockmittel, als Projektionsfläche in der Werbung), Sportlichkeit und Berufstätigkeit der Frau eine Rolle im Frauenbild Graubündens? Welche Charakteristika des Frauenbildes sind langfristig und häufig beobachtbar, welche treten wann massiver auf? Lassen sich Entwicklungstendenzen im Frauenbild feststellen? Inwieweit stimmt der Eindruck, dass zeitweise das Bild der Frau in manchen Bereichen der behandelten Bildgattungen dramatisch weit auseinanderdriftet?

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Dr. Marietta Meier: Eingriffe ins Gehirn "schwieriger" Patientinnen: Psychochirurgie im Kanton Graubünden (Arbeitstitel)

Die Leukotomie, ein von Hand vorgenommener Eingriff ins Frontalhirn, wurde in der Schweizer Psychiatrie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs eingeführt und bis etwa 1960 angewandt. Operationen am Gehirn sind wohl die risikoreichste und einschneidendste körperliche Massnahme an psychisch Kranken, weil sie direkt und irreversibel in die Persönlichkeit der Betroffenen eingriffen, diese veränderten und auch schwere physische Nebenwirkungen haben konnten. Das war auch den zeitgenössischen Psychiatern bewusst, die nicht glaubten, mit der neuen Behandlungsmethode die eigentliche psychische Störung beseitigen zu können, sondern hofften, die Operation dämpfe bei "schwierigen" PatientInnen, die auf andere Massnahmen nicht ansprachen, Symptome wie aggressives Verhalten oder Halluzinationen.

Der Beitrag stellt Fallbeispiele aus der Bündner Psychiatrie dar, in denen Patienten und Patientinnen leukotomiert wurden, und geht der Frage nach, warum diese Massnahme vor allem bei Frauen angewandt wurde. Dabei zeigt er auch auf, inwiefern der Entscheid der Bündner Anstaltsdirektoren, in ihrem Kanton psychochirurgische Eingriffe ein- und durchzuführen, mit den Bedingungen in den beiden kantonalen psychiatrischen Kliniken und der Wirtschaftslage Graubündens nach dem Zweiten Weltkrieg zusammenhängt.

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Wissenschaftliche Begleitung

Prof. Dr. Regina Wecker, Universität Basel, Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte an der Universität Basel.

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